Call for Papers

Humane Ökonomie –
selbstverständlicher Auftrag sozioökonomischer Bildung und Wissenschaft oder sozialromantische Utopie?

5. Jahrestagung der Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft

in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz (AG BFN) und dem Lehrstuhl Wirtschaftspädagogik der Humboldt-Universität zu Berlin

am 22./23.09.2022 an der Humboldt-Universität

Call for Papers

Die 5. Jahrestagung der Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft, die vom Lehrstuhl Wirtschaftspädagogik der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit der AG BFN ausgetragen wird, trägt dem Ort, seiner Geschichte und der Ausrichtung des Lehrstuhls in besonderer Weise Rechnung und lädt alle Teilnehmenden ein, sich mit dem Thema Humane Ökonomie – selbstverständlicher Auftrag sozioökonomischer Bildung und Wissenschaft oder sozialromantische Utopie? sowohl aus Sicht der allgemeinen als auch der beruflichen Bildung auseinanderzusetzen.

Im Leitbild der Humboldt-Universität zu Berlin wird in Bezug auf Humanität ausgeführt, dass „es bis heute kein besseres Motiv [gibt], wenn es um das Wachstum des Wissens und die Zukunft der Bildung geht.“ In einer Wissensgesellschaft sind kompetente, kritisch-reflexive, der Humanität verpflichtete Absolventinnen und Absolventen elementar. Was aber bedeutet Humanität zwischen ökonomischer Rationalität und sozialer Verantwortung, beruflicher Effizienz und persönlicher Autonomie sowie zwischen Selbstinteresse und Solidarität?

Gesucht und diskutiert wird, was der Auftrag einer humanen Ökonomie und das Motiv der Humanität für Bildung und Wissenschaft bedeuten. Es sollen Vorstellungen einer humanen Ökonomie zur Diskussion gestellt und in Bezug zur realen Wirtschaft gesetzt werden, um daraus Handlungsempfehlungen für die allgemeine und berufliche Bildung abzuleiten.

Schwerpunkt 1: Humane Ökonomie – Vorstellungen, Theorien und Realität

Auf allgemeiner Ebene soll daher u.a. folgenden Fragestellungen nachgegangen werden:

  • Was bedeutet es, von Humanität im (sozio)ökonomischen Kontext zu sprechen?
  • Inwieweit treibt Humanität als Motiv für die Suche nach neuen Erkenntnissen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an?
  • Ist die Förderung der Menschlichkeit ein Konzept, welches wirtschaftliches Denken und Handeln ermöglichen könnte?
  • Was bedeutet eine humane Ökonomie im Kontext von Diversität, Nachhaltigkeit und Ethik?
  • Ist die Suche nach dem Wohlstand der Nationen bereits ein hinreichender Beitrag für die Humanisierung bzw. die Bildung der Menschlichkeit? Und was wird heute unter Wohlstand überhaupt verstanden?
  • Wie wird der Idee der Humanität in ökonomischer Theorie und Lebenswelt Rechnung getragen?
  • Welche Aspekte der Humanist Economics lassen sich aus der Verhaltensökonomik ableiten?
  • Von welchen Menschenbildern und Modellen wird in Ökonomie und Ökonomik ausgegangen und von welchen sollte ausgegangen werden?
  • Welche Relevanz haben Konzepte wie z. B. I&We paradigm (Amitai Etzioni), Cultivating Humanity (Martha Nussbaum), Ökonomie für den Menschen (Amartyra Sen) oder Humane Ökonomie (Julian Nida-Rümelin) für die Förderung der Menschlichkeit?

Schwerpunkt 2: Humane Ökonomie in der Bildung

Folgende Fragen fokussieren insbesondere die allgemeine und berufliche Bildung:

  • Von welchen Wirtschafts- und Gesellschaftsverständnissen wird in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik ausgegangen?
  • Wie haben sich historisch die Ziele von beruflicher Bildung in Bezug auf Humanität verändert?
  • Welche Erkenntnisse können aus der sozioökonomischen Bildung und Wissenschaft unter dem Gesichtspunkt der Humanität adaptiert werden?
  • Auf welche Theorien und „Schulen“ sollte in besonderer Weise zurückgegriffen werden, um das Motiv der Humanität zu fördern?
  • Was könnte die Idee einer humanen Ökonomie für die kaufmännische, technisch-gewerbliche und humanwirtschaftliche Bildung bedeuten?
  • Es werden konkrete Beispiele und best practice aus der Berufsbildungspraxis gesucht, die sich mit dem Verhältnis von Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit auseinandersetzen:
    • Wie erfolgt die didaktisch-pädagogische Auseinandersetzung der Lernenden mit Humanität bzw. humaner Ökonomie?
    • Wie thematisieren und bearbeiten Lehrkräfte und Ausbilder/-innen das Thema Humanität bzw. humane Ökonomie?
    • Welche Bedeutung hat die Vorstellung von humaner Ökonomie in der Ausbildungspraxis im Betrieb?
    • Wie werden betriebliche und schulische Partizipation und die Etablierung ethischer und sozialer Werte und Normen in Schule und Betrieb thematisiert?

Forschungsprojekt

Als Vorbereitung auf die Tagung wird im Rahmen eines Forschungsprojektes des Lehrstuhls erhoben, welche subjektiven Vorstellungen Stakeholder der Berufsbildung (Schüler/-innen, Lehrpersonen, Ausbildner/-innen, Unternehmer/-innen, Politiker/-innen) von einer humanen Ökonomie haben und inwiefern diese von der Wahrnehmung der realen Ökonomie abweichen. Ergebnisse und ausgewählte Statements werden in der Tagung präsentiert.

Organisatorisches

Neben Beiträgen aus der Forschung sind auch wissenschaftlich reflektierte Beiträge aus der Praxis erwünscht. Bei Beiträgen aus laufenden Projekten sollten diesen mindestens Zwischenergebnisse zugrunde liegen. Im Anschluss an die Veranstaltung wird eine Publikation erstellt. Eingereichte Beiträge werden einem Review-Verfahren unterzogen und in der Schriftenreihe der AG BFN in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft veröffentlicht.

Interessenten, die sich an der Tagung mit einem Vortrag beteiligen möchten, werden gebeten, ein kurzes Exposé zu verfassen. Sie können a) Abstracts für die Tagung mit anschließender Publikation oder b) Abstracts nur für die Publikation einreichen. Die Exposés sollen maximal 2500 Zeichen beinhalten und werden bis zum 28.01.2022 unter Verwendung des folgenden Links erbeten:

Home – Humane Ökonomie – selbstverständlicher Auftrag sozioökonomischer Bildung oder sozialromantische Utopie? (converia.de)

Die eingegangenen Exposés werden einem Auswahlverfahren durch die Organisatoren unterzogen. Über das Ergebnis werden die Bewerber/-innen rechtzeitig informiert.

Exposés und Folienpräsentationen der Referentinnen und Referenten werden im Vorfeld des AG BFN-Forums auf der Homepage der AG BFN der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Angenommene Exposés sind für die Publikation vorgesehen. Die bis zum 01.11.2022 ausgearbeiteten und eingereichten Beiträge (max. 50.000 Zeichen) werden einem Review-Verfahren unterzogen und nach positiver Begutachtung in der Schriftenreihe der AG BFN veröffentlicht.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an: reflexive.wipaed@hu-berlin.de

Kriterien für die Auswahl der Beiträge und der Reviews sind:

  • Berücksichtigung der Befundlage und des theoretischen Kontextes:
    Ist der Forschungsstand berücksichtigt? Sind die Fragestellungen klar definiert? Ist die Argumentation nachvollziehbar?
  • Relevanz für die Forschung, Prüfungspraxis und deren Fortentwicklung:
    Ist der Beitrag neu bzw. liefert er innovative Erfahrungen? Wie trägt er zur Weiterentwicklung von Theorie und Praxis bei?
  • Erfüllung (fach-)wissenschaftlicher Standards:
    Handelt es sich um eine Studie in Vorbereitung oder ist sie bereits realisiert? Sind alle erforderlichen Informationen vorhanden? Sind Untersuchungsdesign, Methoden und statistische Prozesse angemessen? Sind Ergebnis, Diskussion und Folgerungen nachvollziehbar? 

(Förderung)