CfP I 7. Themenband in der Reihe Sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (Springer VS)

In Krisen aus Krisen lernen – Beiträge der sozioökonomischen Bildung und Wissenschaft zur sozial-ökologischen Transformation

CALL FOR PAPERS

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In Krisen aus Krisen lernen – Beiträge der sozioökonomischen Bildung und Wissenschaft zur sozial-ökologischen Transformation

7. Themenband in der Reihe Sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (Springer VS)

Die derzeit viel beschworene ‚neue Normalität‘ kommt nicht nach der Krise; sie ist die Krise. Multiple miteinander verwobene Krisen stellen im 21. Jahrhundert den Normalzustand dar: sei es die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008, die Staatsschulden- und Eurokrise 2010, anhaltende Armutskrisen nicht nur im globalen Süden, die Migrationskrise 2015, die Krise der liberalen Demokratie durch wachsenden Rechtspopulismus, die Coronakrise seit Beginn des Jahres 2020 oder die Klimakrise als Inbegriff eines Dauerkrisenzustands, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Dauerkrisenzustand beschreibt die bemerkenswerte Verdichtung von Disruptionen gewohnter gesellschaftlicher Praktiken, die Gesellschaften vor existenziellen Richtungsentscheidungen stellen, über einen längeren Zeitraum hinweg (vgl. grundsätzlich Imbriano 2013, 45) . Dieser Dauerkrisenzustand bildet die Lebensrealität der heutigen Generation von Schüler_innen und Studierenden. Die Coronakrise führt nicht nur Schüler_innen und Studierenden, sondern auch Lehrer_innen und Dozent_innen mit aller Deutlichkeit vor Augen, was es heißt, in der Krise zu lernen, zu lehren und zu forschen. Dabei ist die Krise selbst eine Lehrmeisterin: sie nötigt uns, notgedrungen Gewohntes aufzugeben, zu improvisieren und Neues auszuprobieren. Not macht erfinderisch. Ungeachtet seiner Normalität, ist und bleibt dieser Dauerkrisenzustand dabei aber immer eine akute Notsituation, die Leid verursacht, das es zu überwinden gilt. So muss Lehren und Lernen in der Krise auch immer ein Lernen aus der Krise für das Entwerfen und Gestalten von Wegen in eine lebenswerte Zukunft für alle sein. Das Leitbild der sozial-ökologischen Transformation ist ein Beispiel eines solchen Weges. Neben einer zunehmenden Zahl von Wissenschaftler_innen und Lehrer_innen, setzen sich gerade auch im Bildungskontext besonders junge Menschen für eine solche Zukunft jenseits dieser Dauerkrisennormalität ein. Initiativen, wie das studentische Netzwerk Plurale Ökonomik – eine Antwort auf die letzte Wirtschafts- und Finanzkrise – oder die Fridays4FutureBewegung – eine Reaktion auf die Tatenlosigkeit hinsichtlich der Klimakrise –, weisen auf die Dringlichkeit von grundlegenden Veränderungen nicht nur in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, sondern gerade auch in Bildung und Wissenschaft hin. Neben Kritik liefern sie dabei auch eigene Vorschläge und Formate einer krisenbewussten sowie zugleich transformativen Bildung und Wissenschaft.

Ziel des Sammelbands, für den wir hier um Beiträge bitten, ist es, den durch die Coronakrise in be-sonderem Maße geforderten Erfindergeist der Lehrenden und Lernenden für ein Programm krisenbewusster und zukunftsfähiger sozioökonomischer Bildung und Wissenschaft fruchtbar zu machen. Welche Bildungsinhalte, welche Bildungsformen und welche Bildungspolitiken braucht es, um in Krisen aus Krisen zu lernen? Welche Konsequenzen hat das für eine sozioökonomische Wissenschaft, die einen Beitrag zum Weg aus diesem Dauerkrisenzustand leisten möchte? Mithilfe einer reflexiven und programmatischen Aufbereitung eigener Erfahrungen, bildungs- und wissenschaftspolitischer Erwägungen, aber auch historischer und theoretischer Überlegungen soll der Sammelband zu fachdidaktischen und fachwissenschaftlichen Wegen aus einem gesellschaftlichen Dauerkrisenzustand einladen und zu weiteren Entwürfen einer in diesem Sinne notwendenden, transformativen sozioökonomischen Bildung und Wissenschaft inspirieren.

Anforderungen an die Beiträge

Gesucht werden drei Typen von Beiträgen:

Typ 1: Erfahrungsberichte innovativer Lehre aus Krisen in Zeiten der (Corona-)Krise

Wir bitten um Beiträge, die Erfahrungen aus Lehr-Lern-Formaten, die aufgrund der Coronakrise umgestaltet oder neu entwickelt wurden und sich auf diese Krise und das Lernen in und aus Krisen beziehen, entlang folgender Fragen operationalisieren:

  1. Entstehungskontext (Lernort, Zielgruppe, beteiligte Akteure, institutionelle und ggf. curriculare Rahmenbedingungen).

  2. Gestaltungselemente (a. Welche Ziele werden angestrebt?; b. Welche Inhalte/Themen/Fragestellungen stehen im Zentrum?; c. Welche Sozialformen und Methoden werden angewandt?; d. Welche Medien werden genutzt?)

Dabei bevorzugen wir Beiträge, die diese Erfahrungen wissenschaftsbasiert mit Bezug auf die Fragestellung des Sammelbandes reflektieren und programmatisch wenden. Wir bitten folgende Fragen zu berücksichtigen:

  1. Welche Veränderungen/Innovationen (der Lernziele, Methoden oder Inhalte) wurden in der Veranstaltung aufgrund der Coronakrise im Vergleich zu anderen/der ursprünglichen Veranstaltung vorgenommen?
  2. Was waren zentrale Herausforderungen in der Gestaltung und Durchführung der Veranstaltung?
  3. Welche Gestaltungselemente haben sich als erfolgreich hinsichtlich krisenbewusster sozio-ökonomischer Bildung erwiesen und warum?
  4. Welche Lehren können aus dieser Erfahrung für eine krisenbewusste und transformative sozioökonomische Bildung und Wissenschaft gezogen werden?

Typ 2: Reflexive und programmatische Ansätze für eine Bildungs- und Wissenschaftspolitik der Transformation aus dem Dauerkrisenzustand

Wir suchen Beiträge, welche die Bildungs- und Wissenschaftspolitik zentraler Akteure während der Coronakrise beispielhaft analysieren und Entwürfe für eine Bildungs- und Wissenschaftspolitik entwickeln, die dem Dauerkrisenzustand angemessen und auf dessen Überwindung ausgerichtet ist.

Typ 3: Historische und theoretische Beiträge zur Thematik

Lernen in und aus Krisen stellt keine neue gesellschaftliche Herausforderung dar. Daher begrüßen wir auch Beiträge, die anhand historischer Beispiele Grundfragen des Lehrens und Lernens in und aus Krisen erörtern. In diesem Zuge können auch theoretische und philosophische Ansätze herangezogen werden. Wir bevorzugen jedoch Beiträge, die diese Grundfragen und historischen Bezüge mit den gegenwärtigen Krisenphänomenen ins Gespräch bringen. In diesem Zuge können auch Erfahrungen von innovativen Forschungsprojekten, die im Zuge der Coronakrise im Sinne einer krisenbewussten sozioökonomischen Bildung und Wissenschaft entwickelt wurden, im Stil der Typ-1-Beiträge vorgestellt werden.

Organisatorisches

Einreichungen in deutscher oder englischer Sprache bitten wir bis zum 31. Oktober 2020 als Word-Dokument an kontakt@soziooekonomie-bildung.eu vorzunehmen (max. 30.000 Zeichen inkl. Leer-zeichen inkl. Literaturverzeichnis; Abstract von 300 Wörtern einschließlich Keywords; Zitation gemäß APA, vgl. 6. Aufl., deutsch, vgl. Stylesheet I und Stylesheet II ). Die Beiträge werden von externen Gutachter_innen im double-blind-review-Verfahren geprüft. Um angesichts der Aktualität der Thematik den Sammelband zügig herausgeben zu können, werden die Beiträge direkt nach Eingang an die Gutachter_innen weitergeleitet. Der Sammelband erscheint in der Buchreihe „Sozioökonomische Bildung und Wissenschaft“, die im Verlag Springer VS von Christian Fridrich (Wien), Silja Graupe (Bernkastel-Kues), Reinhold Hedtke (Bielefeld/Frankfurt a.M.) und Georg Tafner (Graz/Berlin) im Namen der Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW) herausgegeben wird. Bandherausgeber_innen sind Lisa-Marie Schröder (Frankfurt a.M.), Harald Hantke (Lüneburg), Theresa Steffestun (Bernkastel-Kues/Lausanne) und Reinhold Hedtke (Bielefeld/Frankfurt a.M.). Der Band wird voraussichtlich im Sommer 2021 veröffentlicht.