Gründung der Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft

Jahre nach der Finanz-, Wirtschafts- und Eurokrise kommt die Erneuerung der Wirtschaftswissenschaften nur schleppend voran. Auf der Agenda stehen insbesondere die Reform der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung und die Erneuerung der ökonomischen Bildung. Die frisch gegründete Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW) macht diese Aufgaben zu ihrem Programm und vernetzt dazu Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Über 50 Personen aus Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Fachdidaktik und Wirtschaftspädagogik diskutierten ihr wissenschaftliches und fachpolitisches Programm in der Akademie für Politische Bildung Tutzing am Starnberger See. Dort fand vom 16. bis 18. März 2017 die erste Jahrestagung der GSÖBW statt.

Im Rahmen der Tagung in der Akademie für Politische Bildung Tutzing wurde den Forderungen nach einer paradigmatischen Pluralisierung der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Lehre an Schulen und Hochschulen eine Stimme verliehen. Prof. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität, und Prof. i. R. Michael Hartmann, bundesweit bekannter Elitenforscher sowie Prof. Jack Reardon (USA) und weitere Referentinnen und Referenten stellten Theorieansätze und Konzepte vor, die ökonomische Fragestellungen in ihre sozialen, politischen, ökologischen, kulturellen und historischen Zusammenhänge stellen. Sie kritisierten, dass viele wirtschaftswissenschaftliche Curricula an Hochschulen und Schulen diese systematisch ausblenden und so zu Fehlverständnissen führen. Zwar finde an vielen Orten multidisziplinäre und plurale Forschung zu ökonomischen Themen bereits statt. Diese Aktivitäten blieben jedoch bislang oft zerstreut, unkoordiniert und würden deshalb kaum wirksam.

Mit der Gründung der GSÖBW biete sich nun ein Kristallisationspunkt für den wissenschaftlichen Austausch. Die Fachgesellschaft will multi- und interdisziplinäre sowie pluralistische und problemorientierte Herangehensweisen in Schule und Hochschule verbreiten, vertiefen und verankern. Vor allem aber soll sie national und international die Forschung und den Austausch zu sozioökonomischer Bildung und Lehre initiieren, koordinieren und präsentieren. Die GSÖBW versteht sich als universitätsübergreifendes Netzwerk von Forschenden, die zu Themen der Sozioökonomie und der sozioökonomischen Bildung arbeiten. Die GSÖBW soll sozioökonomische und andere sozialwissenschaftliche, fachdidaktische und hochschuldidaktische sowie bildungs- und hochschulpolitische Überlegungen zu Bildung und Ausbildung im wirtschaftlichen Feld systematisch zusammenführen. Hierzu sollen Perspektiven und Befunde der zentralen Bezugsdisziplinen, d. h. der Volkswirtschaftslehre, der Soziologie, der Ethik und der Politikwissenschaft in Bezug zueinander gesetzt und hinsichtlich didaktischer Aspekte diskutiert werden. Dies ermögliche nicht nur vernetztes und somit sinnstiftendes Lernen und Studieren, sondern zugleich die Entwicklung differenzierter/er Ansätze zum Verständnis und zur Bewältigung realer ökonomisch geprägter gesellschaftlicher Probleme und Lebenssituationen.

Weitere und aktuelle Informationen über die Aktivitäten der Gesellschaft finden sich auf der Webseite unter www.sozioöoekonomie.eu.

Folgende Personen unterstützen die Gründung der Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW): Prof. Dr. Thomas Beschorner | Professur für Wirtschaftsethik und Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen | Universität St. Gallen

Prof. Dr. Hans-Jürgen Bieling | Professur für Politik und Wirtschaft (Political Economy) und Wirtschaftsdidaktik | Eberhard Karls Universität Tübingen

Prof. Dr. Tim Engartner | Professur für Didaktik der Sozialwissenschaften | Goethe-Universität Frankfurt a. M. Prof. i.R. Dr. Gerd E. Famulla | Professur für Wirtschaftswissenschaften und ihre Didaktik | Universität Flensburg Prof. Dr. Andreas Fischer | Professur für Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie Didaktik der Wirtschaftslehre | Leuphana Universität Lüneburg Prof. Dr. Daniel Fischer | Juniorprofessur für Sustainability Science | Institute for Environmental & Sustainability Communication (INFU) | Leuphana Universität Lüneburg Prof. Dr. Christian Fridrich | Professur für Geographie und Wirtschaftskunde | Pädagogische Hochschule Wien Dr. Christoph Gran | Netzwerk Plurale Ökonomik Prof. Dr. Silja Graupe | Professorin für Ökonomie und Philosophie | Cusanus Hochschule Prof. Dr Udo Hagedorn | Professur für Berufspädagogik – Empirische Lehr-Lernforschung im Kontext beruflicher Organisations- und Qualitätsentwicklung | Leibniz Universität Hannover Prof. Dr. Reinhold Hedtke | Professur für Didaktik der Sozialwissenschaften und Wirtschaftssoziologie | Universität Bielefeld Prof. Dr. Arne Heise | Professur für Finanzwissenschaft und Public Governance | Universität Hamburg Prof. Dr. Stefanie Hiß | Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Märkte, Organisationen und Governance | Friedrich-Schiller-Universität Jena Prof. Dr. Martin Höpner | Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und apl. Professur an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität zu Köln Prof. Dr. Gustav Horn | Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans Böckler Stiftung und apl. Professur an der Universität Duisburg-Essen Prof. Dr. Dirk Lange | Professur für Didaktik der politischen Bildung | Leibniz Universität Hannover Prof. Dr. Sighard Neckel | Professur für Gesellschaftsanalyse und Sozialer Wandel | Universität Hamburg Prof. Dr. Werner Nienhüser | Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Arbeit, Personal und Organisation | Universität Duisburg-Essen Prof. Dr. Andreas Nölke | Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen und Internationale Politische Ökonomie | Goethe-Universität Frankfurt a. M. Prof. Dr. Andreas Oehler | Professur für Finanzwirtschaft | Otto-Friedrich-Universität Bamberg Prof. Dr. Walter Oetsch | Professur für Ökonomie und Kulturgeschichte | Cusanus Hochschule Prof. Dr. Stephan Panther | Professur für Ökonomie und interdisziplinäre Institutionenforschung | Cusanus Hochschule Prof. Dr. Dr. Helge Peukert | apl. Professur für Finanzwissenschaft und Finanzsoziologie | Universität Erfurt Prof. Dr. John Reardon | Professorship for Economics, Marketing, and Strategy | Hamline University Prof. em. Dr. Sibylle Reinhardt | Professur für Didaktik der Sozialkunde | Martin-Luther-Universität Halle Prof. Dr. Ulf Schrader | Professur für Arbeitslehre/ Ökonomie und Nachhaltiger Konsum | Technische Universität Berlin Prof. Dr. Georg Tafner | Leiter des Bundeszentrums für Professionalisierung in der Bildungsforschung (Österreich) und Professur für Bildungsforschung und sozioökonomische Bildung an der PH Steiermark Prof. Dr. Matthias Thiemann | Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt des Finanzmarktes, der Banken und des Geldes | Goethe-Universität Frankfurt a. M. Prof. Dr. Till van Treeck | Professur für Sozialökonomie | Universität Duisburg-Essen Prof. Dr. Birgit Weber | Professur für Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt ökonomische Bildung | Universität zu Köln Prof. Dr. Tatjana Zimenkova | Professur für Diversität und Differenz in Fachdidaktiken und in Schul- und Unterrichtsforschung | Technische Universität Dortmund Prof. Dr. Bettina Zurstrassen | Professur für Didaktik der Sozialwissenschaften | Universität Bielefeld

Dem Vorstand gehören folgende Personen an: Prof. Dr. Tim Engartner (Sprecher des Vorstands) | Prof. Dr. Silja Graupe (Stellvertretende Sprecherin des Vorstands) | Prof. Dr. Andreas Fischer (Schatzmeister) | Dr. Christoph Gran | Prof. Dr. Udo Hagedorn | Prof. Dr. Reinhold Hedtke | Prof. Dr. Georg Tafner | Prof. Dr. Till van Treeck | Prof. Dr. Bettina Zurstrassen

Tutzing, den 18.3.2017